Samstag, 14. September 2013

14.Tag: Ruhetag in Lyon

Mein erster kompletter Ruhetag in Lyon war sehr spannend und interessant. Ich könnte jetzt natürlich behaupten, es wäre alles super geplant gewesen, dass ausgerechnet an diesem Wochenende, die Tage des offenen Denkmals waren

 und die 12. Lyoner Biennale lief,
aber ich habe einfach mal wieder Glück gehabt.
Ein  Tag randvoll  mit  Eindrücken. Da ich auch noch relativ früh unterwegs war (siehe unten), habe ich noch  keine Schlangen vorgefunden, eine Stunde später sah es vor den interessanten Orten bereits so aus:
Aber auch die 12. Lyoneser Biennale war eine Bereicherung. Viele Anregungen, seehr "innovative" Kunst, die manchmal vielleicht aber auch nur  das ist.
Am Abend bin ich dann noch einmal ins Kino gegangen. "Now you see me"- "Die Unfassbaren" sehr nette Unterhaltung.
Angesichts der Tatsache, dass ich heute insgesamt bestimmt mehr als 8km gelaufen bin, habe ich meine ursprüngliche Planung, heute Abend noch das Fußballspiel Olympic Lyonnese -Rennes anzuschauen, geändert und bin brav zurück ins Hotel. Laufen ist viel anstrengender als Fahrradfahren -
und außerdem fängt das Spiel erst jetzt um 21.00 Uhr an.
Im Laufe des  Tages habe ich mich auch mit meiner neue Begleiterin für die nächsten Tage,  der Rhone,  bekannt gemacht, - noch sieht sie ja etwas unterkühlt und frostig aus


Aber das wird, so hoffe ich, wird sich mit den Kilometern ändern, denn schließlich ist jetzt die Zielrichtung

Was ich mir merken muss:

10. Auch wenn es sich oben anders angehört haben mag: Wenn ich in Frankreich sonntagmorgens aufwache und meine, jetzt gilt es aufzustehen und die Welt zu erkunden. Halt!! Drehe dich noch einmal um, schlafe noch eine Runde, dann lies die Zeitung von gestern, und dann stehe ganz langsam und in aller Ruhe auf. Andernfalls wirst du mit Vätern mit kleinen Kindern, Menschen mit seniler Bettflucht und den Mitarbeitern der städtischen Straßenreinigung die Straßen "bevölkern". Museen machen nicht vor 11:00 auf und selbst am Tag des Offenen Denkmals bilden sich die ersten Schlangen nicht vor 10:30





Freitag, 13. September 2013

12.Tag: Von Macon nach Villefranche-sur-Saone:

Der erste Tag ohne meine Weggefährten "Eurovelo 6" und "Voie bleue"!!
Und das am

Freitag, den 13.

Im Touristenbüro von Macon haben sie eine Art Fortsetzung der Saone-Tour versucht. Ein Blatt mit einer Wegbeschreibung. Bis km 3 alles wunderbar. Dann soll ich von der größeren Straße ab, und wieder am Fluss entlang. Nach 2 km geht der Weg in Wiese über - ist aber noch als Weg erkennbar. Nach einem weiteren Kilometer - stehe ich am Ende einer Halbinsel zwischen 2 Flussarmen. Also wieder zurück. Dann kommt ein Weg nach rechts. Die Richtung stimmt. Dann wird der Weg zur Schlammschlacht. Ich lande mitten in einer Abholzzone. Mit schwerem Gerät werden Pappeln  im Uferbereich niedergemacht. Ich rutsche und schlingere durchs Gelände. Doch die Richtung stimmt. Irgendwann kommt linkerhand ein wunderbarer Kiesweg, - doch da ist ein Zaun dazwischen. Ich fahre den Zaun des  Feriencampgeländes entlang, das mit Superwegen, und  ich auf dieser Schnmierseifenpiste. Knirsch! Ich komme aus dem Wald heraus und auf ein kleines Sträßchen . Na also die Richtung stimmt. Wieder geht es durch nette kleine Dörfer. Doch nicht mehr, wie ich sie aus Spirou kenne. Die Häuser sind aus Lehmziegeln und nicht mehr so beeindruckend.
Und- die Straße bleibt nicht länger in der Nähe des Flusses. Den Hang rauf, den Hang runter, den Hang rauf..., wie mir scheint, soll ich langsam auf die Pyrenäen vorbereitet werden. 
Irgendwo da unten ist "mein" Fluss; Seufz:

Aber ich komme gut voran, das Wetter ist angenehm kühl und immer wieder kommt die Sonne durch. In Messemy bei einer Kaffepause (mein Standardsatz kommt gut!),
stelle ich fest, dass man hier den Fortschritt kaufen kann. Oder soll das heißen, dass er gar "käuflich" ist?
  Leider war der Laden zu. Ich bringe Euch den Fortschritt also nicht als Reiseandenken mit.

Und auf einmal, waren es nur noch 12km bis Ville-Franche-sur-Saone!!
Auf der Karte sollten es insgesamt knapp 70km sein. Und auch auf dem Blatt des Touristenbüros auch. Wo genau sich das Wurmloch im Raum-Zeit-Gefüge Frankreichs befindet, kann ich nicht mehr rekonstruieren, aber ich habe mich natürlich gefreut.
Je näher ich Ville-Franch-sur Saone komme, desto deutlicher wird, was mich wohl in den nächsten Tagen erwartet. Industrielandschaft, Lastwagen und Radwege, die immer dann verschwinden, wenn es über eine Brücke geht und es eh eng wird.  Durch Plattenbauvororte erreiche ich den Ort.
Hoffentlich hat Lyon ein besseres Radnetz als Ville Franche!!!
Die Innenstadt hinterlässt keinen bleibenden Eindruck auf mich. Das Touri-Büro hat sich gekonnt versteckt und ich entdecke es erst im 3.Anlauf.
Mein Hotel, - siehe "was ich mir merken muss"-,  liegt z i e m l i c h außerhalb, und bedient eher Autobahnreisende, die mal kurz von der Autobahn runterfahren wollen. Einmal draußen, habe ich nicht allzuviel Lust, noch einmal zurück zu fahren. Vor allem als ich im Internet lese:


"Die Stadt liegt 25 km nördlich von Lyon und ist Touristen vor allem als südliche Mautstation (Péage) der Autoroute A6 bekannt."

Dafür ist in der Nähe ein Riesen-Outlet, in dem ich ein wenig rumstreife, -und ein Baumarkt - den ich natürlich nicht unbesucht lassen kann (höre ich da jemand im Hintergrund lachen?).  Denn: Ich habe mir vorgenommen, mein armes malträtiertes, schlammverspritztes Fahrrad ein wenig zu pflegen, wozu ich natürlich ein bißchen  "was brauche!". - Es hat mich bei meinen australischen Wegabschnittsbegleitern so fasziniert, dass sie jeden Abend ihre Fahrräder geputzt haben. Da bekam ich fast ein schlechtes Gewissen.
Und so wurde es alles in allem noch ein sehr gemütlicher Nachmittag. Zumal der junge Mann an der Rezeption, sich ein bißchen zu mir setzte, mir beim Putzen zuschaute, und von seiner 7.000km Tour quer durch Skandinavien erzählte. - In einem astreinen Deutsch.

Was ich mir merken muss:

6. Wenn ich ein Hotel buche, dann schaue ich ganz genau auf der Karte nach, wo sich das Hotel befindet und wie weit es zum Zentrum ist.
7. Duscharmaturen sind von Menschen gemacht. Und durchschnittlich intelligente Menschen sollten in der Lage sein, herauszufinden, wie sie funktionieren. Es gibt in der Regel folgende Optionen: Drehen, schwenken, drücken, herausziehen, - Stifte abschrauben sind keine Lösung. Jemand, der schwere Sudokus lösen kann, sollte sich, bei Beachtung dieser Regeln, nach einigen Minuten nass machen können.
8. Höre ich im Hintergrund einen Lastwagen näher kommen, dann weiche ich auf keinen Fall, wiederhole: gar keinen Fall einem Schlagloch aus! Und zwar nie! Ich halte lieber an!







Donnerstag, 12. September 2013

11.Tag von Chalon nach Macon:


Die Zeichen sind unübersehbar. Der Herbst rückt näher. Auf den Treidelpfaden liegt täglich mehr Laub. Es riecht nach faulem Obst und Kraut. Und riesige Vogelschwärme machen ihre Flugübungen - wenn sie nicht auf den Leitungen sitzen.
Heute war ein super Tag zum Radfahren. Der erste Teil der heutigen Strecke  ging weg von der Saone, durch kleine Dörfer, helle Natursteinhäuser, Rathaus, Kirche, und ein kleines Schloss... Mir  wird bewußt, wie gut ich diese Art Dörfer doch kenne. Mein Frankreichbild stammt nicht zum geringsten Teil aus französischen und belgischen Comics. Und heute konnte ich feststellen, wie gut Rummelsdorf ein französisches Dorf abbildet und wie fein die Zeichner Details eingefangen haben. Fehlte nur, dass ich auch noch das Schloss vom Grafen von Rummelsdorf entdecke. Und siehe da:
Man könnte doch glatt meinen, dass gleich der Graf in seinem Oldtimer um die Ecke braust.
 (Für alle, die ihr Frankreichbild nicht aus Comics bezogen haben. Rummelsdorf spielt in vielen Spirougeschichten eine wichtige Rolle- natürlich heißt das Dorf  nur in der deutschen Übersetzung so) .
Etwa auf halber Strecke kommt Tournus - eine phantastische Altstadt mit einer gewaltigen romanischen Kirche aus dem 11.Jahrhundert. Hat mich sehr  beeindruckt. Vor allem die Krypta.

Auf der 2.Teilstrecke, zieht ein heftiges Gewitter auf. Aber zum ersten Mal auf dieser Reise habe ich Rückenwind und ich fliege dem Gewitter davon. Ich komme trocken in Macon an. Auch diese lebhafte Stadt ist Weltkulturerbe - und noch eine beeindruckende romanische Kirche.

Heute  ist ein weiterer wichtiger Abschnitt erreicht:

Ich muss mich von meinen lieb gewordenen Wegweisern verabschieden:
Eurovelo 6 geht nun weiter Richtung Loire,  und ich muss mir von nun an meinen eigenen Weg suchen. Und auch die Burgunder voie bleue Routen hören hier auf.
Wenn es nur die Schilder wären!! Aber die EU hat in diese Radwegesysteme richtig Geld reingesteckt. Fast durchgehend geteert und alle 10 km Info-Säulen. Das war super! Auch wenn an manchen Stellen der entscheidende Wegweiser fehlte. Mal sehen wie ich auf mich allein gestellt klar komme. Die Treidelpfade scheint es auf einmal nicht mehr zu geben!

Morgen weiß ich mehr.

Was ich mir merken muss:

1.(siehe Tag 7)
2. Keinen Blaubeerjoghurt mehr zum Frühstück essen. Die Körnchen bleiben im Hals hängen und man hustet den halben Morgen.
3. Wenn ein Hotelzimmer stark nach Räucherstäbchen riecht. Sofort umdrehen. Spätestens am nächsten Morgen merkt man, dass  die Schimmelpest in jeder Ecke lauerte.
4. Wenn man in einem Altstadthotel ein Zimmer im 4.Stock angeboten bekommt. Sofort umdrehen. So hoch kommt kein heißes Wasser.
5. Kraftriegel wie Corny kann man gar nicht so gut kauen, dass nicht kleine Nussstückchen übrig bleiben. Effekt siehe oben unter 2. - Die Alternative S****cherriegel sind zwar ungefährlicher, man muss es aber schaffen, den Riegel aufzumachen ohne hinzuschauen. Sonst hat man den ganzen  Tag die Werbung im Ohr.
(Punkt 5 kann ich eigentlich aus meinem Merkheft streichen, denn heute habe ich die letzten "Powerriegel" gegessen)


Mittwoch, 11. September 2013

10.Tag. von St.Jean de Losne nach Chalon sur le Saone

Der Tag des geteilten Himmels.

Nachtrag zu gestern: 

Habe mir zum ersten Mal auf dieser Reise ein richtig schönes französisches Menü mit allen Gängen gegönnt.  Bœuf bourguignon,war sehr lecker.
Heute Morgen:
Ich schau aus dem Fenster - Sonnenaufgang. Es scheint ein schöner Tag zu werden. Ich stehe auf. Schau nach links und sehe einen bleigrauen regenverhangenen Himmel. Auch wenn ich lieber zum anderen Fenster rausschaue. Der Regen hat mich wieder. Verrücktes Bild: Ewig lange Chaussee, schnurgerade. Rechts der dunkelgraue Regenhimmel, links der Straße ein Hoffnung erweckendes hellgrau. Und ich auf der Nahtstelle - und es regnet.
Aber ich bin gut ausgerüstet. Und die bescheidenen 12°C lassen auch kein Dampfgarschlauchgefühl aufkommen.
Noch einmal fahre ich einige Kilometer entlang der Doubs, bis sie in die Saone mündet.

In Chalon angekommen, fahre ich gleich zum Hotel, es ist auf die Dauer doch etwas kühl geworden. Es macht erst um 18:00 auf!!! Das ist der Hammer. Ich lasse einen Zettel da, und such mir ein anderes. War eh nicht sehr vertrauenserweckend, das Hotel Syracruse!!
Aber das andere in der Altstadt ist auch etwas grenzwertig!
Ich werde trotzdem gut schlafen.

Dienstag, 10. September 2013

 

9.Tag Dole nach St.Jean de Losne

Ein schönes Geräusch, ein sanftes Plätschern in der Dachrinne, polyphone leise Rhythmen auf dem Dach. Doch langsam erwachen mehr Gehirnzellen, - vor allem die für Pflichtbewusstsein und Zielstrebigkeit zuständigen. Kurzer Blick aus dem Fenster - Schit - Bettdecke über den Kopf und Weiterschlafen. Dann rappel ich mich doch hoch. Also heute: Beinlinge, Armlinge, Regenhose, Plastiktüte über den Helm, Plastiktüte über die Schuhe-
Nein, davon wird heute kein Photo der WWÖffentlichkeit zum Fraße vorgeworfen!!
Ein Glück, dass ich gestern auf der über 100 km langen Strecke nach Chalon sur Saone auf  der Mitte Strecke keine Unterkunft gefunden hatte, und ich deshalb schon in St.Jean de Losne Schluss machen werde.
Es regnet "ergiebig" wie die Wetterfrösche das nennen. Und in meinem Vollplastikoutfit bleibe ich auch von Außen schön trocken. Doch im Innenbereich komme ich mir vor, wie im im Dampfgarschlauch. Zum Glück hört der Regen nach einer Stunde langsam auf. Zuerst die Kopfsauna- die Plastiktüte über dem Helm entfernen.  Dann die Regenhose....
Und gemütlich, bei nach wie vor kräftigem West- also Gegenwind strample ich Richtung Losne.
Denn heute ist wieder ein wichtiger Abschnitt geschafft:
 4 Tagen entlang des Rhein-Rhone-Kanals und der Doubs erreiche ich bei Staustufe 75 den Anfang, bzw. seine Mündung in die Saone. Auf der einen Seite 75 Schleusen, auf der anderen über 45. Ein wirklich beeindruckendes Gesamtbauwerk!!

Um kurz vor 13:00 erreiche ich schon mein heutiges Ziel, die Auberge de la Marine - endlich mal wieder ein richtig gediegenes Hotel, nette Leute - eine Superspeisekarte - und sie lassen uns sofort auf das Zimmer.
Uns soll heißen, mit mir zusammen kam auch ein australisches Ehepaar an, das eine Frankreichrundfahrt macht. Wir haben uns  schon in Baume-des-Dames im Hotel getroffen habe, und sie  haben es heute auch genau so ruhig angehen ließen wie ich. Eigentlich sind wir die letzten 4 Tage ziemlich synchron geradelt. Heute mach ich mir einen richtig faulen Nachmittag. Am Kiosk gab es sogar die 'Süddeutsche'

St. Jean de Losne ist wirklich ein sehr netter Ort. Für Flussreisende ein Treff und anscheinend ein Herbergsort auf einem der Jakobswege.
Für mich hatte er heute das Motto meiner Reise parat:


Montag, 9. September 2013

8.Tag: Von Besancon nach Dole 

(Sorry, die Sonderzeichen muss man sich immer noch denken.)

Der Tag der Schnecken:

Nachdem ich gestern Abend auf dem Berg, inmitten französischer Vorstadtplattenbauten, ein wenig den Blues bekommen hatte, wachte ich heute auf und - es regnete nicht mehr!
Kalt, Wind, und immer wieder Sonne.
Von Besancon hatte ich gestern genug gesehen.
Und als ich dann am Morgen, einen wunderschöne Bäckerstand fotografieren will und plötzlich eine Polizistin mit einem schweren Motorrad auf mich zu scheßt und sich vor mir aufbaut, und mich fragt, warum ich Ihren Kollegen fotografiere (den ich garnicht am Stand gesehen hatte)- da wird mir ganz anders und ich suchte -und finde das Weite, das heißt meinen geliebten Treidelpfad entlang der Dole.
Und Sehenswürdigkeiten unterwegs gibt es genug, mindestens so interessant wie die  Monsterbastion von Besancon:
Zum Beispiel die Schneckenfarm an der "doppelten Schleuse"


Jetzt weiß ich alles über das wilde Geschlechtsleben der Weinbergschnecken.
War wirklich groß die "Farm".
Ja und die andere Schnecke war heute ich. Denn der Westwind, der die Wolken  - über mich hinweg wehte, kam oft direkt von vorn. War aber egal, Hauptsache kein Regen. Und spektakuläre Bilder waren das allemal


Von Dole bin ich richtig begeistert. Eine richtig schöne Altstadt. Mit netten Bistros und Straßencafes, wie sich das in Fronkreisch gehört .

SONDERSEITE

Heute Morgen, es war noch dunkel, wachte ich plötzlich auf. Noch ehe ich richtig wach war, stand ich schon unter der Dusche. Und dann,....so langsam, .. ich schaute auf die Uhr: 6:50 !! Erster Schultag. Doch ich?
Ging wieder zurück ins Bett und drehte mich noch einmal um!

Als ich mich später auf den Weg machte, erste Kreuzung! Eine Schule, - aber sie wollten mich nicht reinlassen:
Klar, nur wer "im Dienst" ist darf rein:
Und ich bin  nicht im Dienst!!!
An dieser Stelle wünsche ich allen meinen Ex-Dienst-Kollegen! Ein weiterhin frohes "dienen"!!!!